Die Bedeutung von Gerechtigkeitsprinzipien für erfolgreiche Kooperation

Eine Analyse der Auswahl und Wirkung von Verteilungsregeln in internationalen Klimaverhandlungen

Laufzeit: Oktober 2010 – März 2013

Nationale Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels sind nicht ausreichend. Zusätzlich notwendig sind internationale Abkommen zur Reduktion von CO2-Emissionen. Allerdings erfordern solche Abkommen die Koordination und Kooperation vieler heterogener Staaten. Diese werden jedoch nur dann kooperieren, wenn sie sich davon ökonomische Vorteile versprechen oder entstehende Nachteile durch positive Effekte in anderen Politikfeldern aufgewogen werden. Ein unterschiedliches Verständnis von Fairness und Gerechtigkeit stellt eine zusätzliche Hürde in Klimaverhandlungen dar.

Ziele und Aufgaben
Das Projekt analysiert den Einfluss von Gerechtigkeitsnormen bei der Verteilung globaler CO2-Emissionsrechte in internationalen Klimaverhandlungen mit dem Ziel, praktikable Nachhaltigkeitsstrategien für Deutschland und die EU zu entwickeln.
Hierzu soll zum einen die Akzeptanz von Gerechtigkeitsprinzipien als Grundlage für freiwillige Kooperationen betrachtet werden. Das Hauptaugenmerk dieser theoretischen Analyse liegt darauf, zu klären, inwieweit trotz Heterogenität der beteiligten Akteure (bezüglich ökonomischer Leistungsfähigkeit, Kosten und Nutzen von Emissionsreduktionen, Bevölkerungsgröße etc.) effektive internationale Klimaabkommen auf der Basis von Gerechtigkeitsnormen möglich sind. Auch die Frage, welche Akteure unter welchen Bedingungen einer solchen Kooperation zustimmen, soll beleuchtet werden.
Zum anderen werden in ökonomischen Laborexperimenten Gerechtigkeitsprinzipien in internationalen Klimaverhandlungen stilisiert abgebildet. Das heißt, ökonomische Entscheidungen werden unter kontrollierten Laborbedingungen untersucht.
Parallel dazu werden weltweit die Beteiligten an internationalen Klimaverhandlungen u.a. dazu befragt, wie sie die Notwendigkeit einzelner Gerechtigkeitsregeln persönlich einschätzen und wie sie die Positionen wichtiger Länder bzw. Ländergruppen wie die der USA, EU oder Chinas wahrnehmen.
Diese Daten werden statistisch und ökonometrisch analysiert.
Abschließend wird das neu gewonnene Wissen zusammengeführt sowie Nachhaltigkeitsstrategien für Deutschland und die
EU entwickelt. Im Rahmen von vier Workshops werden die Er-gebnisse mit Praxisakteuren rückgekoppelt.

Anwendung
Die Projektergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis der Bedeutung von Gerechtigkeitsprinzipien für den Erfolg und die Stabilität internationaler Klimaabkommen bei. Daraus können Rückschlüsse für die deutsche und europäische Klimapolitik gezogen werden, z. B. in Hinblick auf den Umgang mit klimapolitisch wichtigen Ländern wie die USA, Russland oder Indien.
Die Ergebnisse können Hinweise liefern, ob ein weltweites Vorgehen, wie es im Rahmen des UNFCCC-Prozesses verfolgt wird, oder aber der Zusammenschluss weniger wichtiger Länder den größeren Erfolg im Hinblick auf erfolgreiche Klimaabkommen verspricht. Weiterhin liefert das Projekt Hinweise, welche Prozesse und Institutionen förderlich für Kooperationen sind und wie zukünftige Klimaverhandlungen ausgestaltet sein sollten.
Vor diesem Hintergrund werden Handlungsempfehlungen für staatliche Institutionen und Stakeholder wie Energieunternehmen oder Umweltverbände ausgearbeitet. Die Ergebnisse werden über die Einbindung von Akteuren aus EU, Ministerien, Unternehmen und Verbänden verbreitet.

Verbundpartner
Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung
Dr. Andreas Löschel

Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
Dr. Andreas Sturm

Ansprechpartner

  • Prof. Dr. Andreas Löschel

    • Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)
    • L 7, 1
    • 68161 Mannheim
    • Telefonnummer: +49 621 - 1235 200
    • Faxnummer: +49 621 - 1235 226
    • E-Mail-Adresse: loeschel@zew.de
    • Homepage: http://www.zew.de/de/forschung/projekte.php3?action=detail&nr=1020