Landnahmen und Nachhaltige Entwicklung

Laufzeit: Juni 2010 – Mai 2013

Im Zuge der Globalisierung entsteht neben globalen
Agrarmärkten zunehmend auch ein Weltmarkt für Ackerböden beziehungsweise Produktionsstandorte. Finanzstarke staatliche und private Investoren kaufen oder pachten ausgedehnte produktive Landflächen in Entwicklungsländern. Die Konsequenzen von derartigen Investitionen sind umstritten. Produktivität und Nachhaltigkeit der Böden werden durch die Art der Landnutzung beeinflusst. Eine unangepasste Nutzung kann beispielsweise zu Bodenverlust, steigenden Treibhausgasemissionen oder Übernutzung des Wasserangebots führen.

Ziele und Aufgaben
Das Projekt erforscht, wie multilaterale Governance-Strukturen für Landnahmen ausgestaltet sein müssen, um zu einer nachhaltigen Entwicklung in den Zielländern beizutragen.
Hierzu werden zum einen die ökonomischen, juristischen und ethischen Zusammenhänge von Landnahmen und deren Konsequenzen für eine nachhaltige Entwicklung im Rahmen von Fallstudien in Kenia, Mali, Malawi und Sambia untersucht. Dabei sind v. a. die Inhalte von Verträgen und die Umstände ihres Zustandekommens, ökonomisch-soziale Auswirkungen von Landnahmen, Gerechtigkeitsaspekte und die Auswirkungen auf Umwelt und Natur von besonderer Bedeutung. Zum anderen sollen die Konsequenzen im Vergleich zu herkömmlichen ausländischen Investitionen analysiert werden. Daraus resultieren ethische Fragen, die im Bezug auf alle betroffenen Akteure kurz- und langfristig untersucht werden.
Aus wirtschaftwissenschaftlicher Sicht ist es ein zentrales Anliegen, den Unterschied zwischen Landnahmen und konventionellen Direktinvestitionen herauszuarbeiten. Die Verknüpfung mit ethischen und juristischen Gesichtspunkten ermöglicht es schließlich, ein Nachhaltigkeitskonzept für Landnahmen zu erarbeiten, welches die Interaktion zwischen Mensch und Natur, sowie zwischen externen Kapitalgebern und lokaler Bevölkerung berücksichtigt. Im Rahmen eines Stakeholder-Workshops in
Nairobi werden die Forschungsergebnisse mit relevanten Ak-teuren vor Ort rückgekoppelt.
Abschließend werden aus der ökonomischen, rechtlichen und ethischen Analyse Vorschläge für multilaterale Governance-Strukturen für Landnahmen abgeleitet. Diese Vorschläge sollen u. a. Hinweise geben, inwiefern Landnahmen reguliert werden sollten, nach welchen Kriterien und durch welche nationalen und
internationalen Organisationen dies geschehen müsste. Außerdem sollen Richtlinien für die nachhaltige Ausgestaltung von Verträgen zur Regulierung von Landnahmen erarbeitet werden.


Anwendung
Es werden konkrete Lösungsvorschläge für Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen in Entwicklungspolitik und internationalen Organisationen wie der Food and Agriculture Organization (FAO) entwickelt. Um zu gewährleisten, dass die Empfehlungen praxisnah sind, tritt das Projekt frühzeitig in einen Austausch mit Gremien der wissenschaftlichen Politikberatung (Sachverständigenrat für Umweltfragen - SRU, Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen - WBGU, Beirat für Biodiversität und genetische Ressourcen am Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz - BMELV).
In einem „policy paper“ werden die wesentlichen Herausforderungen identifiziert und Vorschläge für eine Regulierung unterbreitet. Diese werden auf einem Workshop in Berlin vorgestellt und mit Vertreterinnen aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Nichtregierungsorganisationen diskutiert und anschließend publiziert.

Verbundpartner
Universität Kiel
Institut für Weltwirtschaft
Prof. Dr. Gernot Klepper

Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien
Prof. Dr. Jann Lay

Universität Greifswald
Institut für Botanik und Landschaftsökologie,
insb. Umweltethik
Prof. Dr. Konrad Ott

Ansprechpartner

  • Dr. Linda Kleemann

    • Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Weltwirtschaft (IfW)
    • Hindenburgufer 66
    • 24105 Kiel
    • Telefonnummer: +49 431 - 8814233
    • E-Mail-Adresse: Linda.Kleemann@ifw-kiel.de
    • Homepage: http://www.landgrab.de/