INFINUM

Informierte Bürger als Instrument der Umweltregulierung

Laufzeit: März 2010 – Februar 2013

Umwelt- und Naturschutz kommt häufig erst durch Einwirken von staatlich unabhängigen Initiativen und Organisationen zustande. Aus diesem Grund wurde die Aarhus-Konvention beschlossen. Diese beinhaltet die erstmalige völkerrechtliche Verankerung der Rechte jeder Person auf Information, Beteiligung in Entscheidungsprozessen und Klagemöglichkeiten zum Schutz der Umwelt. Zentrales Element dabei ist die Ergänzung des regulierenden Staates durch das Engagement der Bürger und der Zivilgesellschaft. Das neue dahinter liegende Umweltregulierungsparadigma enthält die fundamentale These, dass mehr Informationen und Beteiligungsrechte zu besseren und flexibleren Regulierungsergebnissen führen.

Ziele und Aufgaben
Ziel von INFINUM ist es, ökonomisch zu analysieren, auf welche Art und Weise sich die nationale Umsetzung der Aarhus-Konvention auf die Umweltregulierung auswirkt, und daraus Gestaltungsrichtlinien für ein effektives und effizientes Regulierungsdesign abzuleiten.
Die bisher weitgehend unbekannte Wirkungsweise solcher Übereinkommen soll durch Verknüpfung von Ansätzen der ökonomischen Theorie, Ökonometrie und Experimentalökonomik systematisch beleuchtet werden.
Im theoretischen Teil geht es darum, die Anreizstrukturen sowie Effizienz- und Verteilungswirkungen von Informationsprogrammen in Regulierungssystemen zu modellieren und zu analysieren. Hierbei werden etablierte Regulierungsmodelle um den Zugang zu Umweltinformationen erweitert und auf dieser Grundlage die Reaktionen von Industrie, Bürgern und Umweltorganisationen abgeleitet.
Der empirische Teil befasst sich mit der Überprüfung der im theoretischen Teil entwickelten Hypothesen und untersucht die Effektivität europäischer Schadstoffemissionsregister mit Hilfe ökonometrischer Verfahren. Hierbei soll die Frage beantwortet werden, ob und wenn ja, welche Emissionen aufgrund der Veröffentlichung eines Schadstoffregisters reduziert werden.
Da die Anreizmechanismen anhand von Daten teilweise schwer zu identifizieren sind, wird diese Fragestellung durch Experimente unterstützt. Mit diesen Experimenten soll erforscht werden, inwieweit sich die Informationsprogramme auf das Klageverhalten der Bürgerinnen und Bürger sowie auf deren Fähigkeit zu kollektivem Handeln auswirken.
Im Vordergrund der Untersuchung steht, mögliche Konfliktfelder zu identifizieren, zu quantifizieren und Lösungsansätze hierfür zu erarbeiten. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt. Es bündelt ökonomische und juristische Ansätze.


Anwendung
Das Projekt entwickelt Vorschläge für eine zielgerichtete
Umsetzung der Aarhus-Konvention unter Berücksichtigung ökonomischer und ökologischer Belange. INFINUM mündet dabei in konkreten Empfehlungen für eine differenzierte Umsetzung und Weiterentwicklung der Konvention in Deutschland und Europa. Seinem Zielpublikum in Politik, Verwaltung und Umweltverbänden macht INFINUM seine Ergebnisse durch zwei Stakeholder-Workshops zugänglich.

Verbundpartner
Universität Heidelberg
Lehrstuhl für Umweltökonomik
Prof. Dr. Timo Goeschl

Ansprechpartner

  • Prof. Dr. Timo Goeschl

    • Universität Heidelberg, Lehrstuhl für Umweltökonomik
    • Bergheimer Str. 20
    • 69115 Heidelberg
    • Telefonnummer: +49 6221 - 548011
    • Faxnummer: +49 6221 - 548020
    • E-Mail-Adresse: office@eco.uni-heidelberg.de
    • Homepage: http://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/wiso/awi/professuren/umwelt/infinum_d.html